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OSTEITIS DEFORMANS
(asymptomatische und symptomatische Osteitis deformans Paget)

Der Kran kheitsbezeichnung "Osteitis deformans" wird oft auch das Wort "Paget" hinzugefügt, weil Sir James Paget, ein Chirurg in London (1814-1899) die Kran kheit entdeckte bzw. zum ersten Mal beschrieb.

Der Begriff   Normales Schien- u. Wadenbein    Osteitis deformans Schienbein

Der Wortteil "Oste" bezieht sich auf Os (= Knochen), die Endung "itis" steht für eine Entzündung und "Deformans" kann mit deformierend oder  verunstaltet übersetzt werden.

Bei dieser Knochenerkrankung besteht ein Ungleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau, was sich durch Anfälligkeit für Brüche und Deformationen (= Verbiegungen) kennzeichnet und vor allem zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftritt.

Bevorzugt befallen werden:

Mit zunehmender Deformierung kann es zu Knochenbrüchen kommen. Gelenk nahe Deformierungen begünstigen die Ausbildung einer Arthrose. Bildquelle: www.medicalook.com/.../Pagets_disease.html

 

Man unterscheidet zwei Verlaufsformen:

  1. asymptomatische Form (95% der Fälle): die Er krankung wurde zufällig festgestellt und zeigt keine Hauptmanifestation (= hervorgehobener, im Vordergrund stehender Körperbereich). Diese Form wird auch meist nicht erkannt und bedarf auch keiner Therapie
  2. symptomatische Form: Nur bei diesen 5% aller Osteitis deformans - Fälle kommt es zu Schmerzen, insbesondere am Stütz- und Bewegung sapparat

Nach der Osteoporose ist die Osteitis deformans die zweithäufigste Knochenerkrankung.

Nach einem Verlauf von 10 - 20 Jahren kommt es auf dem Boden der chronisch gesteigerten Proliferations- (= Vermehrung von Gewebe durch Wucherung oder Sprossung) und Umbauvorgänge, möglicherweise aber auch im Zusammenhang mit der wahrscheinlichen viralen Infektion, in etwa 3 - 30% der Fälle zur malignen (= bösartigen) Entartung und zur Ausbildung eines Osteosarkoms (= sehr bösartige Knochenwucherung), seltener auch eines Chondro- (= Knorpel-) oder Fibrosarkoms (= Bindegewebswucherung) (teilweise auch als Paget-Sarkom bezeichnet).

Aufgrund der erheblich gesteigerten Vaskularisation (= Gefäßversorgung eines Organs) und Durchblutung finden sich im Paget-Knochen der meist älteren Pag et-Patienten häufiger Metastasen (= Tochtergeschwulste) anderer Malignome (= bösartige Wucherungen), insbesondere von Mamma- (= Brust der Frau), Bronchus- (= Luftröhre) oder Prostata- (= Vorsteherdrüse) Karzinomen (= Krebserkrankungen).

Die Ursachen für eine Osteitis deformans sind noch nicht gänzlich geklärt, es wird aber vermutet, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen:

Mögliche Symptome (= Krankheitszeichen) einer Osteitis deformans sind:

 -          erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche (oft Schenkelhalsbrüche)

-          Knochenverformungen (z.B. verbogene, verkürzte, scheinbar zu lange Arme, der Kopf wird zu groß).

-          Lokale Schmerzen (Knochenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe)

-          Fehlbelastungen

-          Lokale Überwärmung infolge Bildung neuer Blutgefäße, aufgrund des erhöhten Knochenstoffwechsels

-          Krampfadern

-          Nervenkompressionen (Nerveneinengungen)

 

Häufig ist die Diagnose „Osteitis deformans“ ein Zufallsbefund. Zur Diagnose einer Osteitis deformans stehen aber Folgende Untersuchungen zur Verfügung:

-          Röntgenaufnahmen (veränderte Knochenstruktur)

-          Blutwerte (erhöhter Wert der alkalischen Phosphatase)

-          Urin (vermehrt die Aminosäure Hydroxyprolin im Urin)

-          Knochenszintigraphie


Behandlung

Zwei Substanzen bzw. Stoffgruppen haben sich bei der symptomtomatische n Osteitis deformans bewährt:

Medikamentöse Schmerztherapie

Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet erden. 
Manchmal ist aber dieser Schmerz nur mit zentral wirkenden Analgetika
(= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) (z.B. Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) beherrschbar. Grundsätzlich sollte aber auch bei einer Osteitis deformans eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelbhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei diesem Schmerz hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder auch Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen. 


Spezielle Schmerztherapie

  1. bei Knochenschmerzen,

  2. bei Muskelschmerzen (Muskelkrämpfe)

(Einfach die im Vordergrund stehen Schmerzart anklicken)

Besteht ein chronischer  Schmerz infolge einer Osteitis deformans längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist i.d.R. eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung nicht mehr ausreichend, sondern es muss auch psychologische Schmerzbehandlung bzw. spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.

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