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OSTEITIS DEFORMANS
(asymptomatische und symptomatische Osteitis deformans Paget)
Der Kran kheitsbezeichnung "Osteitis deformans" wird oft auch das Wort "Paget" hinzugefügt, weil Sir James Paget, ein Chirurg in London (1814-1899) die Kran kheit entdeckte bzw. zum ersten Mal beschrieb.
| Der Begriff | Normales Schien- u. Wadenbein Osteitis deformans Schienbein | |
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Der Wortteil "Oste" bezieht sich auf Os (= Knochen), die Endung "itis" steht für eine Entzündung und "Deformans" kann mit deformierend oder verunstaltet übersetzt werden. Bei dieser Knochenerkrankung besteht ein Ungleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau, was sich durch Anfälligkeit für Brüche und Deformationen (= Verbiegungen) kennzeichnet und vor allem zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftritt. Bevorzugt befallen werden:
Mit zunehmender
Deformierung kann es zu Knochenbrüchen kommen.
Gelenk
nahe Deformierungen begünstigen die Ausbildung einer
Arthrose. Bildquelle:
www.medicalook.com/.../ |
Man unterscheidet zwei Verlaufsformen:
Nach der Osteoporose ist die Osteitis deformans die zweithäufigste Knochenerkrankung.
Nach einem Verlauf von 10 - 20 Jahren kommt es auf dem Boden der chronisch gesteigerten Proliferations- (= Vermehrung von Gewebe durch Wucherung oder Sprossung) und Umbauvorgänge, möglicherweise aber auch im Zusammenhang mit der wahrscheinlichen viralen Infektion, in etwa 3 - 30% der Fälle zur malignen (= bösartigen) Entartung und zur Ausbildung eines Osteosarkoms (= sehr bösartige Knochenwucherung), seltener auch eines Chondro- (= Knorpel-) oder Fibrosarkoms (= Bindegewebswucherung) (teilweise auch als Paget-Sarkom bezeichnet).
Aufgrund der erheblich gesteigerten Vaskularisation (= Gefäßversorgung eines Organs) und Durchblutung finden sich im Paget-Knochen der meist älteren Pag et-Patienten häufiger Metastasen (= Tochtergeschwulste) anderer Malignome (= bösartige Wucherungen), insbesondere von Mamma- (= Brust der Frau), Bronchus- (= Luftröhre) oder Prostata- (= Vorsteherdrüse) Karzinomen (= Krebserkrankungen).
Die Ursachen für eine Osteitis deformans sind noch nicht gänzlich geklärt, es wird aber vermutet, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen:
Genetische Veranlagung
Infektion mit Paramyxoviren, einer so genannten Slow-Virus-Infektion, welche sich durch eine jahrelange Inkubationszeit auszeichnet und die Zellen welche die Knochensubstanz abbauen (Osteoklasten) anregen
Mögliche Symptome (= Krankheitszeichen) einer Osteitis deformans sind:
- erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche (oft Schenkelhalsbrüche)
- Knochenverformungen (z.B. verbogene, verkürzte, scheinbar zu lange Arme, der Kopf wird zu groß).
- Lokale Schmerzen (Knochenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe)
- Fehlbelastungen
- Lokale Überwärmung infolge Bildung neuer Blutgefäße, aufgrund des erhöhten Knochenstoffwechsels
- Krampfadern
- Nervenkompressionen (Nerveneinengungen)
Häufig ist die Diagnose „Osteitis deformans“ ein Zufallsbefund. Zur Diagnose einer Osteitis deformans stehen aber Folgende Untersuchungen zur Verfügung:
- Röntgenaufnahmen (veränderte Knochenstruktur)
- Blutwerte (erhöhter Wert der alkalischen Phosphatase)
- Urin (vermehrt die Aminosäure Hydroxyprolin im Urin)
- Knochenszintigraphie
Behandlung
Zwei Substanzen bzw. Stoffgruppen haben sich bei der symptomtomatische n Osteitis deformans bewährt:
Das Hormon Calcitonin - verfügbar zur Eigeninjektion oder auch als Nasenspray - führt zu einer Herabsetzung der Osteoklastenaktivität (= Ausmaß des Knochenfraßes)
Bisphosphonate (z.B.
Zoledronsäure) hemmen
den gesteigerten Knochenabbau
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B.
Meloxicam.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib
oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln) (z.B.
Orphenadrin, Tolperison) verordnet erden.
Manchmal ist aber dieser
Schmerz nur mit zentral wirkenden
Analgetika (= im
Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
(z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch
Morphin)
beherrschbar. Grundsätzlich sollte aber auch bei einer
Osteitis deformans eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der
Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelbhängigkeit vermieden werden. Die Kombination
mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel
gegen Depression, aber auch bei diesem
Schmerz hilfreich) (z.B.
Doxepin, Maprotilin) oder auch
Neuroleptika hilft in vielen Fällen
Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
bei Knochenschmerzen,
bei Muskelschmerzen (Muskelkrämpfe)
(Einfach die im Vordergrund stehen Schmerzart anklicken)
Besteht ein chronischer Schmerz infolge einer Osteitis deformans längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist i.d.R. eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung nicht mehr ausreichend, sondern es muss auch psychologische Schmerzbehandlung bzw. spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
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